Herz und Hand


In meinem Leben machte ich mir viel Gedanken über das Verhalten der Menschen, insbesondere über das Verhalten der Menschen im Strassenverkehr. Und so möchte ich diese nach und nach an dieser Stelle, unter der Rubrik "Herz und Hand", aufschreiben. - Ich möchte aber ganz klar betonen, dass es gross mehrheitlich nicht Berichte sind, sondern lediglich eine Sammlung meiner Gedanken!

Kinder und Jugendliche kennen die Verkehrsregeln eigentlich schon recht gut. Der Alltag auf der Strasse, zum Beispiel auf dem Schulweg, zeigt aber, dass zwischen Wissen und dem tatsächlichen Verhalten grosse Unterschiede bestehen. Und deshalb glaube ich, dass unser Verhalten im Strassenverkehr immer auch eine Sache unseres Charakters ist.

Vorschriften und Gesetze sind oft unbeliebt, besonders dann, wenn sie uns in unserer Freiheit einschränken. Dies, obwohl sie uns vielfach vor Verkehrsunfällen und vor einem möglichen Tod auf der Strasse schützen und bewahren wollen.
Je nachdem, ob ein Gesetz einem nützt oder passt, sollte es die Polizei mehr oder weniger häufig und streng kontrollieren und durchsetzen. - Unsere Demokratie wäre doch sehr gefährdet, wenn jeder Einzelne die Rechte nach seinem Gutdünken auslegen und befolgen könnte!


Wenn wir uns auf die Strasse begeben, werden wir mit Menschen konfrontiert, die wir uns nicht aussuchen können und zum Teil auch nicht aussuchen würden. Es sind unsere Partner im Strassenverkehr.

 

Nehmen wir sie bewusst zur Kenntnis? - Ja, besonders dann, wenn sie uns unangenehm auffallen. Wenn wir uns ärgern über sie. Wenn sie uns zum Beispiel den Vortritt nicht gewähren; wenn uns als Fussgänger oder Radfahrer ein vorbeifahrendes Fahrzeug bei nasser Fahrbahn anspritzt oder neben uns durch eine Pfütze fährt; wenn wir als Radfahrer in einer Fahrzeugkolonne warten müssen und die Autofahrer den Motor nicht abstellen; wenn auf dem Gehsteig ein Auto parkiert ist und wir als Fussgänger dadurch behindert werden; geschweige denn, wenn wir durch einen unkorrekten Verkehrsteilnehmer in einen Unfall verwickelt werden und zu Schaden kommen! - Fast möchte ich behaupten, dass ich im Strassenverkehr täglich verunfallen könnte, wenn ich stets stur auf meinem Vortrittsrecht beharren würde. Woran liegt das? - Wie bezeichnen wir jemand, der gedankenlos daher gefahren kommt oder vielleicht denkt: "Achtung! - Jetzt komme ich!"
Eigentlich sollten wir nie blindes Vertrauen haben in jene, die anhalten sollten. Im Zweifel ist es immer besser zu warten!

 

Wenn wir versuchen, "unsere Partner im Strassenverkehr" zu charakterisieren, kämen wir auf Rücksichtsvolle, Freundliche, Zuvorkommende, Zaghafte, Ängstliche, aber auch auf Rücksichtslose, Egoisten, Angeber, Allesbesserwisser, Raser oder solche, die sehr in Eile sind. Weiter können wir auf der Strasse auch mit Betrunkenen, Wetterfühligen, mit sogenannt "Unsichtbaren", solche die nachts ohne Licht fahren oder als Fussgänger dunkel gekleidet sind, mit kleinen Kindern, mit Betagten und Gebrechlichen, mit Blinden oder mit Geistesschwachen zusammentreffen.
Ob eine Strasse nun gefährlich ist oder nicht, hängt zum grössten Teil von deren Benützern ab. Ob sich diese der Verantwortung für Leib, Leben und Eigentum, welche sie gegenüber sich und den andern Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern tragen, voll bewusst sind oder nicht!

 

Die Verantwortung für mehr Sicherheit im Strassenverkehr wird gerne auf andere abgewälzt. - "Die andern sollen gefälligst besser achtgeben und Rücksicht nehmen! Ich verhalte mich schon richtig!" - Ja, auch im Strassenverkehr denkt doch jede und jeder in erster Linie an sich selbst!
Die Radfahrer schimpfen über die Autofahrer und Autofahrer über Radfahrer. Die Fussgänger über die Radfahrer und über die Autofahrer usw. Dieses Schimpfen aber bringt niemandem etwas. Da stellt sich schon eher die Frage: "Wer hat wem Vorwürfe zu machen?" - Wenn wir Hass säen gegeneinander, gewinnt dadurch niemand etwas an Sicherheit. Gewinnen können wir nur durch gemeinsame Rücksichtnahme und Partnerschaft! Das heisst, es gilt Vorurteile abzubauen. - Nicht alle Autofahrer mit Hut sind schlechte Fahrer und noch lange nicht alle schlechte Autofahrerinnen und Autofahrer tragen einen Hut. - Hingegen: Eine gewisse Vorsicht ist  immer am Platz, denn wir Menschen sind ablenkbar! Kein Mensch kann dauernd aufpassen und sich immer voll konzentrieren. Da spielen Müdigkeit, Stress, Monotonie sowie unvorhergesehene Ereignisse eine wesentliche Rolle mit. Das heisst, sie können uns für einen kurzen Moment gedanklich abschweifen lassen, was beispielsweise genügt, um ohne böse Absicht ein Verkehrsschild oder ein Signal zu übersehen!

Einerseits ist in jedem Menschen von Natur aus das Bedürfnis nach Schutz und Sicherheit tief verankert: Wir nehmen uns ich acht vor Schlangen und Zecken, schützen uns mit einem Dach über dem Kopf und versichern uns gegen alles und jedes. Anderseits geht der gleiche Mensch immer wieder unnötige Risiken ein, spielt den Helden und geht an die Grenzen. Denn er ist fest davon überzeugt, dass ihm persönlich nichts passiert. - Was verleitet uns Menschen zu riskantem Verhalten?

Wir Menschen verdrängen oft die Gefahren. - Wenn wir am Morgen aus dem Bett steigen, denken wir kaum daran, welche Gefahren am heutigen Tag auf uns lauern und welche Unfälle wir erleiden könnten. "Es wird schon nichts passieren", ist unsere Überzeugung. "Und sollte wider Erwarten doch etwas geschehen, dann triffts bestimmt einen andern! - Ich pass schon auf!" meinen wir. Wir brauchen diesen Optimismus zum Leben, sonst würden wir langsam aber sicher depressiv. Aber damit verdrängen wir auch die Gefahren. Wenn uns diese nicht bewusst sind, können wir ihnen auch nicht gezielt begegnen oder ausweichen. - "Oha, das hätte mir auch schon passieren können! Ich habe offenbar Glück gehabt!" 

Der Mensch hasst Vorschriften und empfindet sie als Einschränkung in seiner Freiheit. Trotzdem geht es in unserem komplexen Leben nicht ganz ohne. Wo kämen wir hin, wenn wir jeden Morgen an der Strassenkreuzung zuerst wieder den Vortritt und in der Schule oder am Arbeitsplatz jeden Arbeitsablauf mit allen Beteiligten erst diskutieren müssten? Regeln helfen uns, das Leben zu vereinfachen und auch Unfälle zu verhüten. Aber, der Sinn dieser Regeln muss uns einleuchten, sonst halten wir uns nicht daran. Am schlimmsten sind Regeln, deren Übertretung stillschweigend geduldet werden, denn dadurch geht schliesslich jegliche Glaubwürdigkeit verloren. - Und was nützen uns Vorschriften, die wir nicht verstehen wollen oder deren Sinn wir nicht einsehen? - Die persönliche Freiheit und die Eigenverantwortung sind uns doch oftmals viel lieber! - "Es ist ja noch nie etwas passiert!" Ja, meistens stimmt dies ja auch, denn "in 99 von 100 Fällen" passiert wirklich nichts. Aber das Schicksal förmlich herausfordern sollten wir auch nicht, denn erst durch Schaden klüger zu werden, muss nicht sein!

 

 

Deshalb ist Verkehrserziehung und Verkehrsausbildung in jedem Alter wichtig und dürfte eigentlich nie abgeschlossen sein, denn es handelt sich dabei um eine Erziehung fürs Leben, genau gesagt, eine Erziehung zum Überleben!
Verkehrserziehung will Einsicht in den Verkehrsablauf vermitteln und für die Gefahren im Strassenverkehr sensibilisieren. So will sie beispielsweise Kinder und Jugendliche zu rücksichtsvollen und gefahrenbewussten Mitmenschen werden lassen. Wichtig dabei ist auch die Entwicklung des Verkehrssinns. Darunter verstehe ich das rasche Erkennen und das situationsgerechte Verarbeiten von Verkehrssituationen und schliesslich eine vorausschauende und vorausdenkende Teilnahme am Strassenverkehr.

Strassen sind wichtige "Lebensadern" unserer Zivilisation. - Mit dem Erkennen der Gefahren ist die wichtigste Voraussetzung, nicht zu verunfallen, schon fast erfüllt. - Gefährlich lebt zum Beispiel, wer sich unter Zeitdruck auf die Strasse begibt, das heisst, wer in Eile ist. Er ist nervös, ungeduldig und riskiert zu viel. Dadurch gefährdet er nicht nur sich, sondern auch andere. Wichtig ist auch, dass man als Verkehrsteilnehmer gesehen wird. "Sehen und gesehen werden" heisst ein entsprechender Slogan, der bei beeinträchtigten und ganz besonders natürlich bei schlechten Sichtverhältnissen seine volle Gültigkeit hat. Denn bei ungenügendem Licht reagiert das menschliche Auge sehr langsam. Fussgänger und Fahrzeuglenker sind sich dessen kaum bewusst. Auch wenn wir als Fussgänger oder als Fahrzeuglenker durch ein Gegenlicht, beispielsweise durch ein Scheinwerferlicht geblendet werden, sind wir für einige Sekunden fast blind. Dies können Momente sein, die letztlich für viele verhängnisvolle Unfälle  und daraus entstandenem Leid verantwortlich sind. Deshalb ist es vernünftig und ratsam, sich bei Dunkelheit oder schlechter Sicht mit lichtreflektierendem Material sichtbar zu machen!

Das Wissen um mögliche Gefahren ist eine wesentliche Voraussetzung für sicherheitsgerechtes Verhalten. Erfahrungen sind bewusst oder unbewusst erworbene Wissenselemente, die im Gehirn gespeichert sind und das Verhalten beeinflussen. Macht beispielsweise jemand mit sicherheitswidrigem Verhalten keine schlechten Erfahrungen, so entwickelt sich bei ihm allmählich eine sicherheitswidrige Gewohnheit. Risikofreudigkeit, zum Beispiel zum Überspringen eines Baches, obwohl eine Brücke darüber führt, hat für viele ein gewisser Anreiz, und angespornt durch andere, lässt sich auch die Angst oftmals recht schnell überwinden. 

Meistens stellt sich bei Ursachenanalysen heraus, dass das Zusammenwirken mehrerer belastender Faktoren für die Entstehung eines bestimmten Unfalls verantwortlich war. So ist beispielsweise "menschliches Versagen" ein bekanntes Schlagwort und beruhigt schon mal die Gemüter. - Ein Schuldiger ist gefunden: "Er hat nicht aufgepasst!" - "Er hat zu langsam reagiert!" usw. - Und nun? Hilft dies irgendwie weiter? - Ist damit die Ursache wirklich erkannt?
Um sich vor möglichen Gefahren schützen zu können gilt, diese kennen zu lernen!

 

 

 

 

 

 

Kostenlose Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!